Wer Fenster oder Glaswände ohne Vorhänge, Jalousien oder Folien verändern möchte, stößt schnell auf zwei sehr unterschiedliche Technologien, die beide unter dem Sammelbegriff schaltbares Glas laufen. Schaltbares Glas ist ein Funktionsglas, das seinen optischen Zustand per Knopfdruck oder Fernbedienung verändert – entweder durch eine Tönung, die Sonnenlicht und Wärme dämpft, oder durch einen Wechsel von durchsichtig zu blickdicht. Hinter dem Begriff verbergen sich vor allem zwei Verfahren: elektrochromes Glas für den Sonnen- und Blendschutz sowie PDLC-Glas (Polymer Dispersed Liquid Crystal) für den Sichtschutz. Beide Systeme funktionieren technisch grundlegend anders und eignen sich deshalb für unterschiedliche Anliegen. Über unser Portal erhalten Sie Kontakt zu Fachbetrieben, die beide Verglasungsarten fachgerecht planen und einbauen. Im Folgenden vergleichen wir Funktionsprinzip, Schaltgeschwindigkeit, Stromverbrauch, Kosten und Einsatzbereiche der beiden Systeme, damit Sie die für Ihr Vorhaben passende Lösung erkennen.
Elektrochrom vs. PDLC: Die zwei Technologien im Vergleich
Bevor Sie sich für eine Technologie entscheiden, lohnt sich ein direkter Blick auf die wichtigsten Unterschiede. Die folgende Übersicht stellt elektrochromes Glas und PDLC-Glas anhand der Kriterien gegenüber, die in der Praxis am meisten zählen.
| Merkmal | Elektrochromes Glas | PDLC-Glas (Smart Glass) |
|---|---|---|
| Funktionsprinzip | Ionenwanderung in einer Nanobeschichtung färbt das Glas stufenlos ein (hell- bis dunkelblau) | Flüssigkristalle richten sich unter Spannung aus und machen das Glas transparent |
| Schaltgeschwindigkeit | Wenige Sekunden bis mehrere Minuten für den vollständigen Farbwechsel | Etwa 10 bis 100 Millisekunden, praktisch augenblicklich |
| Stromverbrauch im Ruhezustand | Nahezu 0 Watt – der zuletzt geschaltete Zustand bleibt ohne weitere Energiezufuhr erhalten (bistabil) | Ruhezustand ohne Strom = blickdicht/milchig; für den transparenten Zustand sind durchgehend rund 5–7 Watt pro m² nötig |
| Kosten (Material, Stand Juli 2026) | ca. 900 € – 1.700 € pro m² | ca. 250 € – 1.150 € pro m², je nach Ausführung |
| Typischer Einsatzbereich | Fassaden, Wintergärten, Büroverglasungen mit hoher Sonnenlast | Trennwände, Badezimmer, Besprechungsräume mit Sichtschutzbedarf |
Elektrochromes Glas im Detail: Funktionsweise und Normen
Elektrochromes Glas gehört zur Gruppe der intelligenten Verglasungen und verändert seine Licht- sowie Wärmedurchlässigkeit über eine hauchdünne, nanotechnologische Beschichtung im Scheibenverbund. Legt ein Fachbetrieb eine geringe Spannung von meist unter 5 Volt an, wandern Ionen zwischen den Schichten und färben das Glas in einem tiefen Blauton ein. Dieser Vorgang reduziert den Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) spürbar, während die Durchsicht nach außen erhalten bleibt – ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Jalousien oder Raffstores, die den Blick nach draußen einschränken oder ganz blockieren.
Ein besonderes Merkmal ist die Bistabilität: Elektrochromes Glas benötigt Energie nur für den Schaltvorgang selbst, nicht aber für das Halten des einmal erreichten Zustands. Das macht die Technologie im Betrieb sparsam und wartungsarm, da keine mechanischen Bauteile der Witterung ausgesetzt sind. Im eingefärbten Zustand blockiert die Beschichtung außerdem einen Großteil der UV-Strahlung und schützt so Möbel und Textilien vor dem Ausbleichen. Wer neben dem Sonnenschutz auch die Heizkosten im Blick hat, findet ergänzende Informationen in unserem Beitrag zum Glastausch zur Heizkostensenkung.
Info-Kästchen: Relevante Normen für elektrochromes Glas in Österreich
Bei der Planung von Glasfassaden mit Sonderfunktionen sind in Österreich insbesondere folgende Normen zu beachten:
- ÖNORM B 3716: Die zentrale Norm für den konstruktiven Glasbau in Österreich (Teil 1 bis 4).
- ÖNORM EN 410: Bestimmung der lichttechnischen und strahlungsphysikalischen Merkmale von Verglasungen.
- ÖNORM B 8110-3: Wärmeschutz im Hochbau zur Vermeidung sommerlicher Überwärmung.
PDLC-Technologie im Detail: Funktionsweise und Installationsarten
PDLC steht für Polymer Dispersed Liquid Crystal und beschreibt ein Funktionsglas, das Flüssigkristalle in einer Folie zwischen zwei Glasscheiben einsetzt. Im stromlosen Zustand sind die Kristalle ungeordnet verteilt, streuen das einfallende Licht in alle Richtungen und lassen das Glas milchig-weiß erscheinen. Es bietet dabei vollständigen Sichtschutz, während weiterhin etwa 70 bis 80 % des Tageslichts in den Raum gelangen. Sobald eine Wechselspannung von meist 48 bis 110 Volt angelegt wird, richten sich die Kristalle parallel aus, und das Glas wird nahezu augenblicklich durchsichtig.
Verbundglas oder Nachrüstfolie: Zwei Installationsarten
Für PDLC-Glas gibt es zwei grundlegende Installationswege:
- Verbund-Sicherheitsglas (VSG): Die PDLC-Folie wird bereits während der Produktion fest zwischen zwei Glasscheiben laminiert – die langlebigste und sicherste Variante für Neubauten und Sanierungen.
- Selbstklebende PDLC-Folie: Diese wird nachträglich auf bestehende Glasflächen aufgebracht. Sie ist kostengünstiger, erfordert jedoch eine saubere Kantenversiegelung, um Feuchtigkeit und Delamination vorzubeugen.
Details zur Auswahl zwischen individuell gefertigtem Glas und Standardmaßen liefert unser Beitrag Glas nach Maß im Vergleich zu Standardmaßen.

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Info-Kästchen: Relevante Normen für PDLC-Glas in Österreich
- ÖNORM B 3716: Regelt den Glasbau und die Dimensionierung von Glasflächen, insbesondere bei absturzsichernden Verglasungen.
- ÖNORM EN 12150: Spezifikation für thermisch vorgespanntes Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG).
- OIB-Richtlinie 4: Behandelt die Nutzungssicherheit und die Kennzeichnung von Glasflächen.
Bei der laminierten VSG-Variante unterscheidet sich die Reinigung kaum von normalen Fensterflächen. Bei nachgerüsteten Folien sollten Sie auf scharfe Abzieher oder aggressive Reinigungsmittel verzichten, um die Kantenversiegelung nicht zu beschädigen.
Kosten für schaltbares Glas im Überblick (Stand Juli 2026)
Die Investition in schaltbares Glas hängt stark von der gewählten Technologie, der Glasgröße und dem Installationsaufwand ab. Die folgenden Werte sind Richtwerte aus dem österreichischen Markt und verstehen sich als Materialkosten, jeweils zuzüglich Montage durch einen Fachbetrieb.
| Kostenposition | Elektrochromes Glas | PDLC-Verbundglas (Neubau) | PDLC-Folie (Nachrüstung) |
|---|---|---|---|
| Glaspreis pro m² | 900 € – 1.700 € | 650 € – 1.150 € | 250 € – 550 € |
| Steuerungseinheit/Trafo | 400 € – 800 € pro Einheit | 150 € – 400 € pro Einheit | 150 € – 400 € pro Einheit |
| Montageaufschlag | ca. 20–30 % gegenüber Standardfenstern | im Fachbetrieb-Einbau enthalten | Aufbringung auf Bestandsglas, geringerer Aufwand |
| Haltbarkeit | vergleichbar mit hochwertigem Verbundglas | über 20 Jahre | ca. 5–10 Jahre |
Eine Steuerungseinheit kann in beiden Systemen mehrere Fensterflächen gleichzeitig ansteuern, weshalb der Preis pro Quadratmeter bei kleinen Flächen wenig aussagekräftig ist. Ein Richtwert allein ohne Berücksichtigung der Fixkosten für Trafo und Steuerung führt bei Kleinstmengen leicht in die Irre.
Wo schaltbares Glas zum Einsatz kommt
Die Wahl der passenden Technologie richtet sich in erster Linie danach, ob Sonnenschutz oder Sichtschutz im Vordergrund steht. Beide Systeme lassen sich zudem mit weiteren Spezialgläsern kombinieren.
Elektrochrom: Sonnenschutz in Fassaden, Wintergärten und Büros
Elektrochromes Glas wird vor allem dort eingesetzt, wo große Glasflächen ohne außenliegenden Sonnenschutz auskommen sollen. Bei einem Bürogebäude in Wien wurden beispielsweise rund 1.500 m² schaltbare Verglasung verbaut. Durch die automatische Tönung ließ sich die Spitzenlast der Klimaanlage um rund 25 % senken, während die Sichtverbindung nach draußen erhalten blieb – ein Vorteil gegenüber geschlossenen Rollläden. In windreichen Lagen bleibt der Sonnenschutz zudem auch bei starkem Wind voll funktionsfähig, was bei mechanischen Raffstores nicht immer gegeben ist. Einen breiteren Marktüberblick zu intelligenten Verglasungen bietet unser Beitrag Smart Glass und funktionale Verglasungen.
PDLC: Sichtschutz in Bad, Praxis und Besprechungsraum
PDLC-Glas eignet sich besonders für Räume, in denen Textilien oder mechanische Elemente unerwünscht sind. In modernen Badezimmern wird es häufig als Trennwand zur Dusche oder als Fensterersatz eingesetzt, sodass beim Baden der Blick ins Grüne erhalten bleibt und für den Duschvorgang per Wandschalter Privatsphäre aktiviert wird. Ein verwandtes Element für denselben Raum ist der Smart Mirror im Badezimmer. Da die glatte Glasoberfläche kein Staub- oder Pollenreservoir bildet, ist PDLC-Glas auch für Allergiker oder in medizinischen Einrichtungen interessant – Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zu Glaslösungen für die Arztpraxis. In Büros dient PDLC-Glas als flexible Trennwand für Besprechungszimmer und lässt sich im blickdichten Zustand zusätzlich als Projektionsfläche nutzen.

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Beide Technologien lassen sich außerdem mit weiteren Anforderungen kombinieren: In Erdgeschosslagen bietet sich eine Kombination mit Einbruchschutz-Verglasung (VSG) an, für filigrane Innenausbauten eignet sich gewichtssparendes Dünnglas, und bei bodentiefen Fenstern mit schaltbarer Tönung sind die Vorgaben zu Brüstungsverglasungen zu beachten. Auch für kleine Räume, in denen Glas und Spiegel gezielt eingesetzt werden, gibt unser Beitrag kleine Räume größer wirken lassen zusätzliche Anregungen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu schaltbarem Glas
Elektrochromes Glas verändert seine Tönung stufenlos zwischen hell und dunkelblau und dient vor allem dem Sonnenschutz. PDLC-Glas wechselt zwischen durchsichtig und blickdicht-milchig und dient dem Sichtschutz.
Der vollständige Farbwechsel dauert je nach Scheibengröße und Temperatur einige Sekunden bis mehrere Minuten; bei niedrigen Temperaturen verlängert sich der Vorgang.
Der Wechsel erfolgt innerhalb von etwa 10 bis 100 Millisekunden, also praktisch augenblicklich.
Elektrochromes Glas benötigt Energie nur für den Schaltvorgang und hält den erreichten Zustand danach ohne weitere Stromzufuhr. PDLC-Glas ist im Ruhezustand ohne Strom blickdicht und benötigt für den transparenten Zustand durchgehend etwa 5 bis 7 Watt pro Quadratmeter.
Bei PDLC-Systemen ist eine selbstklebende Folie auf bestehendem Glas möglich. Elektrochromes Glas erfordert dagegen in der Regel einen vollständigen Scheibentausch.
Je nach Technologie und Ausführung liegen die Materialkosten zwischen rund 250 € und 1.700 € pro m², zuzüglich Steuerungseinheit und Montage durch einen Fachbetrieb (Stand Juli 2026).
Relevant sind unter anderem die ÖNORM B 3716 für den konstruktiven Glasbau, die ÖNORM EN 410 für lichttechnische Kennwerte, die ÖNORM EN 12150 für Einscheiben-Sicherheitsglas sowie die OIB-Richtlinie 4 zur Nutzungssicherheit.
Laminiertes PDLC-Verbundglas und elektrochromes Glas erreichen bei fachgerechtem Einbau eine Lebensdauer von über 20 Jahren, während nachgerüstete PDLC-Folien meist 5 bis 10 Jahre halten.
Den passenden Fachbetrieb finden
Ob elektrochromes Glas für den Sonnenschutz oder PDLC-Glas für den Sichtschutz – die fachgerechte Elektroplanung und eine saubere Kantenversiegelung entscheiden über die Langlebigkeit der Installation. Über unser Portal erhalten Sie Kontakt zu geprüften Fachbetrieben, die auf schaltbare Verglasungen spezialisiert sind und Sie zu Materialauswahl, Steuerungstechnik und Montage beraten.
Beschreiben Sie Ihr Vorhaben kurz – ob private Sanierung oder gewerbliches Projekt. Sie erhalten anschließend unverbindliche Angebote und eine fundierte Beratung für Ihre individuelle Lösung mit schaltbarem Glas.